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Mitarbeiter in der Türkei einstellen

Die drei Zahlen, die in der Türkei auseinanderlaufen, sind Netto, Brutto und Arbeitgeberkosten — und der Abstand wächst im Jahresverlauf, weil die Einkommensteuer auf die kumulierte Bemessungsgrundlage berechnet wird. Wer nur das Bruttogehalt budgetiert, liegt ab dem zweiten Halbjahr daneben. Hier stehen die Punkte, die in der Praxis Geld kosten.

Netto, Brutto und Arbeitgeberkosten

Kandidaten verhandeln in der Türkei den Betrag, der auf dem Konto landet. Zwischen diesem Netto und Ihren tatsächlichen Kosten liegen der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, der Arbeitgeberanteil zur Arbeitslosenversicherung, die kumulierte Einkommensteuer und die Stempelsteuer. Entscheidend ist die Kumulation: Die Steuerprogression greift im Jahresverlauf, das Netto sinkt bei gleichbleibendem Brutto — oder das Brutto muss steigen, wenn das Netto vertraglich fixiert ist, und diese Differenz trägt der Arbeitgeber. Budgetieren Sie deshalb über die Jahresgesamtkosten, nicht über das Monatsbrutto.

Kündigungsfrist (ihbar süresi)

Nach Artikel 17 des Gesetzes Nr. 4857 richtet sich die Frist nach der Betriebszugehörigkeit: zwei Wochen unter sechs Monaten, vier Wochen von sechs bis achtzehn Monaten, sechs Wochen von achtzehn Monaten bis drei Jahren und acht Wochen darüber hinaus. Diese Frist gilt in beide Richtungen — sie bestimmt also auch, wann Ihr Wunschkandidat frühestens anfangen kann. Wird nicht eingehalten, ist eine Abfindung in Höhe des Entgelts für diesen Zeitraum zu zahlen.

Abfindung (kıdem tazminatı)

Ab einem Jahr Betriebszugehörigkeit entsteht bei Beendigung durch den Arbeitgeber — und in mehreren gesetzlich genannten Fällen auch bei Eigenkündigung — ein Anspruch auf ein Bruttomonatsgehalt je vollendetem Dienstjahr, anteilig für angefangene Jahre. Die Bemessungsgrundlage ist gedeckelt; oberhalb dieser Grenze wird mit dem Höchstbetrag gerechnet. Fällig ist zusätzlich Stempelsteuer. Praktisch heißt das: eine Einstellung, die nicht funktioniert, wird nicht rückgängig gemacht, sondern bezahlt.

Urlaubsanspruch

Nach Artikel 53 entsteht der Anspruch nach einem vollendeten Dienstjahr: vierzehn Werktage bis fünf Jahre, zwanzig Werktage ab fünf Jahren und sechsundzwanzig Werktage ab fünfzehn Jahren. Für Beschäftigte unter achtzehn und über fünfzig gelten unabhängig von der Dauer mindestens zwanzig Tage.

Probezeit

Die Probezeit darf höchstens zwei Monate betragen, per Tarifvertrag bis zu vier. Innerhalb dieser Zeit kann beidseitig fristlos beendet werden. Sie ist kürzer, als deutsche Arbeitgeber erwarten — was den Wert einer Eignungsmessung vor dem Angebot erhöht statt danach.

Wie lange eine Suche wirklich dauert

Die reine Suchzeit ist selten das Problem. Planen Sie zwei bis drei Monate vom Briefing bis zum ersten Arbeitstag: rund zwei Wochen bis zur ersten Shortlist, drei bis fünf Wochen für Gespräche und Referenzen, und dann die gesetzliche Kündigungsfrist des Kandidaten von bis zu acht Wochen. Außerhalb der großen Industrieregionen kommt hinzu, dass die schwierige Aufgabe nicht das Finden ist, sondern das Überzeugen zum Umzug.

Häufige Fragen

Können wir einstellen, bevor unsere türkische Gesellschaft existiert?

Suchen und auswählen ja, anstellen nein. Das Arbeitsverhältnis braucht einen Arbeitgeber in der Türkei — Ihre Gesellschaft oder einen Employer of Record. Wir übernehmen diese Rolle nicht und sagen Ihnen offen, wo die Grenze verläuft.

Brauchen ausländische Mitarbeiter eine Arbeitserlaubnis?

Ja. Arbeitserlaubnisse für Ausländer werden vom Arbeitsministerium erteilt und sind an einen konkreten Arbeitgeber und eine konkrete Position gebunden; ein Wechsel erfordert eine neue Erlaubnis. Für die meisten Positionen, die wir besetzen, ist das nicht relevant, weil die Kandidaten türkische Staatsangehörige sind.

Was kostet eine Fehlbesetzung tatsächlich?

Rechnen Sie nicht nur das Gehalt. Dazu kommen Abfindung und Kündigungsfrist, die Einarbeitungszeit, die Zeit Ihrer Führungskräfte, die Arbeit, die das Team in der Zwischenzeit mitträgt, und die zweite Suche. In der Praxis liegt die Summe regelmäßig über einem halben Jahresgehalt der Position.